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Ihre Schnelligkeit bringt ihnen den Tod:
Windhunde in Irland und Großbritannien

Millionengeschäft Windhundrennen

Bereits seit den 1920er-Jahren sind Hunderennen in Irland und Großbritannien populär und werden auch heute noch als familienfreundliche Unterhaltung angepriesen. Doch schaut man hinter die Kulissen des bunten Spektakels, wird schnell klar: Bei den Rennen geht es um viel Geld und noch mehr Tierquälerei. Zugunsten des Profits der Wettindustrie leiden und sterben jedes Jahr tausende Windhunde.

Es gibt Rennen auf einer festen Rennstrecke, bei denen es einzig und allein um die Schnelligkeit des Tieres geht, und das sogenannte Coursing. Bei dieser Variante jagen die Windhunde im freien Feld einem Köder hinterher. Das Wetten auf Windhundrennen ist in Europa legal. Selbst aus Deutschland dürfen über Onlineportale Wetten abgeschlossen werden, obwohl Windhundrennen mit Wetteinsätzen hierzulande verboten sind. Nahezu täglich finden in Großbritannien und Irland Hunderennen statt, so dass es ständig möglich ist, Wetten auf den Sieg der Hunde abzuschließen.

In Großbritannien existieren 20 lizensierte Stadien. Doch auch sogenannte Flapping Tracks erfreuen sich großer Beliebtheit; das sind freie Rennstrecken, die eigentlich behördlich kontrolliert werden müssten, was aber laut Tierschutzvereinen selten der Fall ist. In Irland werden 14 offizielle Strecken betrieben. Im Jahr 2020 erhielt die Rennindustrie 16,8 Millionen Euro vom irischen Staat.

Die Zucht, das Training und die Rennen mit Windhunden sind ein Geschäft, das den Menschen hunderte Millionen Euro pro Jahr einbringt. Für die Hunde ist es eine lebenslange Qual, die meist in einem viel zu frühen Tod endet.

Gezüchtet, um zu leiden: Racing Greyhounds

Für Windhundrennen in Großbritannien und Irland werden die schnellen Greyhounds eingesetzt. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern beeindrucken die Racing Greyhounds – das sind Hunde, die speziell zu Rennzwecken gezüchtet wurden und ein wenig kleiner sind als andere Greyhounds – das Publikum und bringen der Wett- und Zuchtindustrie hohe Geldsummen ein.

Obwohl Greyhounds von Natur aus anschmiegsam und geeignete Familienhunde sind, werden Racing Greyhounds lediglich als sogenannter Gebrauchshund oder Sportgerät betrachtet. Solange das Tier den gewünschten Erfolg bringt, hat es einen Wert. Ansonsten wird es aus dem Hundebestand entfernt. Das Geschäft mit den Windhunden beginnt bereits bei ihrer Geburt: Die Schnellen werden trainiert, die Anderen aussortiert.

Viele Züchter:innen und Trainer:innen argumentieren, dass das Laufen für Greyhounds Freude bedeutet und sie ihr naturgegebenes Talent auf der Rennbahn ausleben können. Doch kein Tier darf für den Profit oder die Unterhaltung ausgebeutet werden – auch kein lauffreudiger Greyhound. Selbst wenn die Hunde artgerecht gehalten und versorgt würden, wäre die Renn- und Wettindustrie ein Konstrukt, in dem Verletzungen, Qualen und letztendlich auch der Tod der Greyhounds in Kauf genommen würde.

Prominente Unterstützung für Windhunde in Not

Nur gemeinsam können wir Großes bewirken! Wir geben den schutzlosen Windhunden eine Stimme und machen uns stark für ihr Wohlergehen. Als VETO-Botschafterin steht uns Model und Windhundhalterin Jacky Wruck zur Seite. Das leidvolle Schicksal der Windhunde hat die Tierfreundin sehr berührt, daher zögerte Jacky nicht, uns bei unserer Kampagne zum Schutz der Windhunde zu unterstützen.

Jacky Wruck lebt selbst mit Windhunden zusammen und setzt sich aktiv für den Schutz der Vierbeiner ein. Foto: Sinah Osner

„Mir liegt natürlich das Wohl aller Tiere am Herzen, aber Windhunde haben es mir einfach besonders angetan. Warum genau kann ich selbst nicht erklären. Ich liebe diese sanften und intelligenten Tiere einfach so sehr. Außerdem haben wir selber auch ein paar eigene Windhunde in der Familie.“

Jacky Wruck, VETO-Botschafterin und Model

Welpen, die spurlos verschwinden

Um besonders schnelle Hunde für die Rennen zu züchten, werden erfolgreiche Rüden und Hündinnen nach dem Ende ihrer Rennkarriere als Deck- und Gebärmaschinen missbraucht. Massenhaft kommen Welpen zur Welt, von denen nur die wenigsten jemals ein Rennen laufen werden. Tierschützer:innen schätzen, dass zehntausende Greyhounds jedes Jahr gezüchtet werden. Doch was geschieht mit den Welpen, die nicht als talentiert oder besonders schnell eingestuft werden?

Eine verlässliche Antwort auf diese Frage gibt es nicht, doch leider eine sehr traurige Vermutung: In sogenannten Rehoming-Programmen haben ausgemusterte Greyhounds in Großbritannien und Irland die Chance, ein Zuhause zu finden. Längst nicht alle Tiere werden durch diese Programme vermittelt. Viel zu viele Hunde werden regelmäßig aussortiert, so dass eine Vermittlung aller Vierbeiner unmöglich ist. Doch sehr auffällig ist, dass fast keine Welpen verzeichnet werden. Dabei haben gerade junge Hunde besonders gute Chancen auf eine Vermittlung. Tausende Welpen verschwinden wenige Wochen oder Monate nach ihrer Geburt also komplett von der Bildfläche. Der Verdacht liegt nahe, dass sie von den Menschen, die sie gezüchtet haben, umgebracht werden.

Qual statt Liebe – Gebrauchshund statt Haustier

Nur die schnellsten Hunde schaffen es auf die Rennbahn. Ihnen bleibt zwar das Schicksal erspart, bereits im Welpenalter getötet zu werden, doch sie erwartet ein Leben voller Ausbeutung, Leid und Brutalität. Rennhunde leben meist in gewerblich betriebenen Rennställen. Auf engstem Raum fristen sie gemeinsam mit vielen anderen Hunden ein trostloses Dasein. Da sie nicht als Haustiere angesehen werden, erfahren sie keine Zuneigung und auf eine artgerechte Haltung wird bei ihnen kein Wert gelegt. Nur zum Training oder am Renntag dürfen die Hunde den Rennstall verlassen. Selbst für erfolgreiche Greyhounds endet die Karriere auf der Rennbahn nach 3 – 5 Jahren. Danach sind sie für ihre Halter:innen wertlos. Die meisten Hunde werden bereits früher aussortiert aufgrund von Verletzungen oder nachlassender Leistung.

Die Abrichtung der Rennhunde ist meist sehr brutal. Laut Berichten müssen viele Hunde Hunger leiden, damit sie am Renntag schneller dem Köder hinterherhetzen. Auch Doping spielt im Rennsport mit Windhunden eine Rolle: Im Jahresreport 2020 des Greyhound Board of Great Britain ist belegt, dass von 6.288 getesteten Tieren zwei Hunde positiv auf Doping getestet wurden und acht positiv auf Medikamente. Und dies sind nur die offiziellen Zahlen; Tierschutzvereine gehen aufgrund von eigenen Beobachtungen davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist.

Durch das harte Training treten bei den Hunden oftmals Ermüdungsbrüche in den Beinen auf. Auch beim Rennen selbst verletzen sich die Hunde häufig. Sie rennen mit hoher Geschwindigkeit ineinander, stürzen oder prallen gegen die Banden. Schwere Verletzungen der Hinterläufe sind keine Seltenheit. Windhund, die verletzt oder krank sind, werden rasch als untauglich eingestuft und aussortiert. Nun gibt es für diese Hunde drei Wege: Wenige finden durch ein Rehoming-Programm ein sicheres Zuhause, einige werden eingeschläfert oder auf eine andere Art getötet und für viele geht die Reise weiter – leider warten auch auf ihrem nächsten Weg viele Qualen auf sie.

Wenn der Tod keine Rolle spielt: Windhunde in Großbritannien

Das Greyhound Board of Great Britain ist die offizielle Aufsichtsbehörde für lizensierte Windhundrennen in Großbritannien. Im Jahresbericht 2021 gibt das GBGB unter anderem Auskunft über die Verletzungen, die sich die Hunde bei offiziellen Windhundrennen zugezogen haben. Von inoffiziellen Rennen liegen keine Aufzeichnungen vor. Die Zahlen von 2021 zeigen deutlich, dass das Leben eines Rennhundes nicht viel wert ist. Starke Verletzungen und das Töten der Tiere gehört in der Rennindustrie zum Geschäft:

359.083 Rennen mit Windhunden fanden 2021 in Großbritannien statt

Die Rennen sind legal und finden in einem der 20 lizensierten Stadien statt.

 

4.422 registrierte Verletzungen gab es bei den Windhunden

Meist zogen sich die Tiere durch Stürze oder andere Unfälle schwere Verletzungen an den Hinterläufen zu. Auch Ermüdungsbrüche durch das harte Training sind keine Seltenheit.

 

Offiziell wurden 359 Windhunde getötet

Gründe für das Einschläfern eines Hundes können zum Beispiel Verletzungen sein. Laut Tierschutzvereinen sterben zusätzlich viele Hunde durch Schüsse aus Bolzenschussgeräten.

 

Weltweite Ausbeutung für den Profit

Viele Hunde ereilt nach ihrer Karriere auf der Rennbahn ein trauriges Schicksal. Über die genaue Anzahl der Tiere gibt es leider keine verlässlichen Angaben, doch laut Aussagen von Tierschützenden, die eigene Recherchen angestellt haben, werden Greyhounds massenhaft für die Zwecke der Menschen ausgenutzt. Das Netzwerk derer, die mit den Windhunden Geld verdienen wollen, erstreckt sich weit über die Grenzen Irlands und Großbritanniens.

Einige ehemalige Rennhunde aus Irland und Großbritannien werden nachweislich nach Spanien exportiert. Dort wird der spanische Windhund Galgo Español fürs Jagen und Rennen zu Profit- und Prestigezwecken ausgebeutet. Tierschützer:innen berichten, dass Jäger immer wieder zugeben Greyhounds einzuzüchten, um den leistungsfähigsten Hund zu bekommen.

Und auch in Irland und Großbritannien selbst gibt es noch Verwendung für die Tiere, die bereits ihr Leben lang leiden mussten. Auf inoffiziellen Rennstrecken kommen die Greyhounds noch zum Einsatz. Andere werden für die Zucht neuer Rennhunde ausgenutzt. Mit den Tieren wird gehandelt: Bei Online-Auktionen, in Kleinanzeigenportalen oder auch via Facebook und Twitter werden ausgemusterte Hunde zum Kauf angeboten. Innerhalb Europas ist der Verkauf der Rennhunde für Zucht, Jagd oder Rennen komplett legal. Dass die Tiere dadurch leiden und bewusst gequält werden, spielt keine Rolle.

Sind die Tiere für ihre Halter:innen in Europa nicht mehr zu gebrauchen, werden sie zum Teil auch zur Zucht, für Rennen oder für den asiatischen Fleischmarkt nach China exportiert. Anhand von Nummern-Tattoos oder Mikrochips lassen sich immer wieder Hunde, die in China wiedergefunden werden nach Irland oder Großbritannien zurückverfolgen.


Alle Tiere verdienen Schutz

Zehntausende Hunde werden jedes Jahr in Großbritannien und Irland für die Rennindustrie ausgenutzt. Eine lebenslange Qual und der Tod zahlloser Tiere werden billigend in Kauf genommen. Wir von VETO sprechen uns deutlich gegen den Missbrauch dieser Hunde aus. Die Ausbeutung der Tiere ist moralisch verwerflich und von Profitgier getrieben. Der Mensch allein kann das Leid der Hunde beenden, denn sie selbst sind machtlos.

Seit Jahren setzen wir uns für das Wohl von aussortierten Windhunden in Spanien ein, deren Schicksal eng mit dem der Hunde aus Irland und Großbritannien verknüpft ist. Mit einer Futterspende kannst auch du helfen.

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Keine Leistung, kein Leben

Das Umbringen von Rennhunden aus ökonomischen Gründen ist in Großbritannien legal. Berechtigte Gründe für das Töten der Tiere liegen zum Beispiel vor, wenn Hunde als nicht vermittlungsfähig gelten, die Behandlungskosten der beim Rennen zugezogenen Verletzungen zu hoch wären oder auch, wenn für den Hund keine Verwendung abseits der Rennstrecke gesehen wird.

Eine Reportage des staatlich kontrollierten nationalen Senders RTE in Irland fand in 2019 heraus, dass in Irland Hunde per Bolzenschuss ermordet werden. So sparen sich die Halter:innen die Kosten für die Einschläferung. Durch den Bolzenschuss wird unnötiges Leid und ein langer, qualvoller Todeskampf in Kauf genommen. Oft sind die Tiere nicht direkt tot, sondern noch sehr lange bei Bewusstsein bis sie schließlich verenden. Tierschutzorganisationen gehen davon aus, dass die Dunkelziffer der Hunde, die auf diese grausame Art sterben müssen, sehr hoch ist.


Wir machen uns stark für Windhunde

Der Verein Windhund-Netzwerk e. V. ruft zum Protest in Berlin auf: Gemeinsam gehen wir am Freitag, den 24. Juni 2022 ab 12 Uhr auf die Straße. Treffpunkt: Märkischer Platz.

Wir setzen ein klares Zeichen für den Schutz und gegen den Missbrauch von Windhunden. Unterstützt du uns?

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Die Kaltherzigkeit und Brutalität, mit der die Greyhounds gehalten, trainiert und bei Rennen ausgenutzt werden, zeigt, dass für viele Menschen der eigene materielle Vorteil weit über dem Leben eines Tieres steht. Politisch wie gesellschaftlich ist ein schnelles Umdenken und Handeln gefragt, um weiteres Leid dieser sensiblen und sanften Hunde zu vermeiden.

Um den Windhunden eine Stimme zu geben und auf ihre Situation aufmerksam zu machen, protestieren wie gemeinsam mit vielen anderen Tierfreund:innen und Aktivist:innen am Freitag, den 24. Juni 2022 in Berlin. Schließt du dich uns an?

Das kannst du tun, damit Windhunde besser geschützt werden

Protestmarsch am 24. Juni in Berlin

Mach sich stark gegen die Ausbeutung und Misshandlung schutzloser Hunde.

 

Unterstütze und besuche keine Rennen

Schließe keine Wetten auf Windhundrennen ab und besuche bei Aufenthalten in Großbritannien oder Irland keine Rennstadien.

 

Kläre andere auf

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