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· Tierschutz aktiv ·
1. Oktober 2024
· 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert am 22. März 2026
Tötungsstationen in Rumänien: Das grausame Geschäft mit dem Tod von Straßenhunden – ein Update
Warum gab es kürzlich Razzien in Tötungsstationen in Rumänien? Wie läuft das Geschäft mit den rumänischen Straßenhunden ab? Was kann sich 2026 politisch ändern und was passierte am 12. August 2024 in der Tötungsstation in Târgu Jiu? Wir von VETO waren vor Ort in Rumänien und klären auf über das korrupte System um das Einfangen und Töten von Straßenhunden.
Unzählige Hunde fristen in rumänischen Tötungsstationen ihr jämmerliches Dasein – krank, verletzt und unterversorgt. In dem brutalen System zählt nur der Profit. Foto: VETO
März 2026: Razzien in rumänischen Tötungsstationen
Wer VETO verfolgt, hat es bereits in unserem Newsletter und auf Social Media gelesen: Die rumänische Polizei war durch die öffentliche Aufmerksamkeit in den letzten Wochen zum Handeln gezwungen und hat in mehreren Regionen in Rumänien Tötungsstationen mit dem Verdacht auf Betrug und illegale Tötungen durchsucht. Den privaten Betreibern wird die illegale Tötung von Straßenhunden vorgeworfen und die Fälschung von Berichten über die eingefangenen Tiere. Alles, um öffentliche Gelder zu erhalten. Gelder, die vom Staat für die Versorgung der Hunde bereitgestellt worden waren.
Zuvor wurden den rumänischen Behörden Video-Beweise übergeben, die schwere Verstöße gegen den Tierschutz in der privaten Tötungsstation Suraia belegen. Etwa 800 Hunde waren dort untergebracht. Mitte Februar wird die Einrichtung daraufhin durch die Nationale Veterinärbehörde (ANSVSA) geschlossen und ein Strafverfahren gegen die Betreiber wegen mutmaßlicher Tierquälerei eingeleitet. Mehr als 200 Hunde werden von Tierschützenden aus dem Shelter geholt.
Auch wir konnten vier Hunde aus Suraia retten. Gemeinsam mit unserem Partnerverein Hope for Catas Strays haben wir die Hunde im Shelter von Catalina Voica in Sicherheit gebracht. Die Tiere haben nach Monaten des Leidens jetzt eine Chance auf ein neues, würdiges Leben. Doch wie konnte es so weit kommen und was ist der Hintergrund der aktuellen Situation um Rumäniens Tötungsstationen?
Das Leid auf den rumänischen Straßen ist groß. Viele der Straßentiere sind in einem katastrophalen Zustand. Foto: VETO
Warum gibt es in Rumänien so viele Straßentiere?
Sie blicken resigniert ins Leere – zusammengekauert auf dem kalten Betonboden. Und warten auf den Tod. Tausende Hunde fristen in Rumänien in Tötungsstationen ihr Dasein. Nach einer Frist von 14 Tagen dürfen sie per Gesetz getötet werden. Statt eine humane und effektive Lösung für die Eindämmung der Population an Straßenhunden umzusetzen – großflächige Kastrationen – setzt die Politik in Rumänien auf das systematische Töten der Tiere. Die Tötung von eingefangenen Straßenhunden ist zum Geschäftsmodell geworden mit korrupten und mafiösen Strukturen.
Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass in Rumänien unzählige Tiere auf der Straße leben und die Anzahl der Straßentiere laut Tierschützenden nicht zurückgeht, sondern zunimmt.
Der Ursprung von Straßentieren liegt immer beim Menschen – jedes Straßentier oder sein Vorfahre war einmal ein Besitzertier, das von seinem Halter ausgesetzt worden ist. So auch in Rumänien. Hier liegt der Ausgangspunkt für die hohe Population an Straßentieren bereits einige Jahrzehnte zurück und die Folgen beeinflussen das Land bis heute. Ein sogenanntes Systematisierungsprogramm sollte das Land bis zum Jahr 2000 komplett umstrukturieren. Zwischen 5.000 und 7.000 Dörfer sollten laut diesem Programm aufgelöst und durch wenige agroindustrielle Zentren ersetzt werden.
Viele Menschen verließen ihre Heimatdörfer, um sich in der nächsten Stadt eine Zukunft aufzubauen. In die kleinen Dörfer wurde von staatlicher Seite nicht mehr investiert. Diejenigen, die abgewandert waren, zogen in große Wohnblöcke, die gerade genug Platz für die Menschen boten. Haustiere waren hier unerwünscht. Sie wurden deshalb häufig in den verlassenen Dörfern zurückgelassen und waren fortan auf sich allein gestellt. Sie ernährten sich von dem, was sie fanden, und vermehrten sich unkontrolliert. Die Umsiedlung der Menschen funktionierte nicht. Heute leben viele Menschen in Rumänien in großer Armut – besonders in den Dörfern, die es eigentlich gar nicht mehr geben sollte.
Noch immer sind weniger als 20 Prozent der registrierten Hunde in Rumänien nicht kastriert. Zwar existiert seit 2014 offiziell eine Kastrationspflicht für Hunde, doch diese wird kaum eingehalten oder kontrolliert. Ein Verständnis bei der Bevölkerung ist nicht vorhanden, Kastrationen werden abgelehnt – aus Unwissenheit, Ignoranz oder fehlenden finanziellen Mitteln. „Außerdem war es vor 30 Jahren noch normal, Hunde zu vergiften. Es gab keinerlei staatliche Maßnahmen in dieser Hinsicht, also lösten die Menschen solche ‚Probleme‘ selbst,“ bestätigt Catalina Voica.
Solche Aussagen belegen: Hunde, die in Rumänien gehalten werden, haben selten einen ähnlichen Stellenwert wie Haustiere in Deutschland. Falls sie ein Zuhause haben, leben sie oftmals ausschließlich im Garten oder auf dem Hof. Sie bewachen das Grundstück und erhalten dafür ein wenig Futter und Wasser. Kastriert oder medizinisch versorgt werden sie nicht. Erfüllen sie ihren Zweck nicht mehr, werden sie ausgesetzt. Eine Einstellung, die wir bei VETO gemeinsam mit unseren rumänischen Partnervereinen mit Hilfe von Aufklärung und kostenfreien Kastrationsaktionen verändern wollen – doch der Prozess ist langsam und zäh.
„Ich denke, das ganze Land muss noch lernen, dass Tiere Familienmitglieder sind. Deshalb führen wir unsere kostenlosen Kastrationsaktionen immer in kleinen Dörfern in armen Landkreisen durch. Wir versuchen, diesen Respekt vor Tieren den Menschen zu vermitteln, die noch nie davon gehört haben.“
Catalina Voica, Hope for Catas Strays
Die unkastrierten Haustiere können sich sowohl untereinander als auch mit den Straßenhunden unkontrolliert vermehren. Kommt es zu ungewolltem Nachwuchs, wird dieser häufig ausgesetzt und so zur nächsten Generation unkastrierter Straßenhunde. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Der illegale Welpenhandel boomt seit vielen Jahren in Rumänien. Zuchtbetriebe erzeugen unter widrigsten Bedingungen unzählige Welpen, um sie in andere Länder zu exportieren. Werden für die Welpen keine Käuferinnen und Käufer gefunden, werden diese ebenfalls wie Müll entsorgt und finden sich auf der Straße wieder. Genauso ergeht es den Muttertieren, sobald sie keine Gewinne mehr einbringen.
Unentwegt werden in Rumänien neue Tiere ausgesetzt und es kommt auf den Straßen zu neuem Nachwuchs. Doch statt auf Kastrationskampagnen setzt die Regierung auf das systematische Töten der Straßenhunde – obwohl sich längst gezeigt hat, dass Einfangen und Töten der Tiere zur Populationskontrolle völlig ineffektiv sind. Ganz im Gegenteil: Sobald ein Revier durch das Einfangen der Straßenhunde frei wird, tritt der sogenannte Vakuum-Effekt ein und die zur Verfügung stehenden Ressourcen werden von anderen Straßenhunden oder ausgesetzten Haustieren genutzt. Die Hunde können sich unkontrolliert weitervermehren und die Anzahl der Tiere wird nicht reduziert.
Tötungsstationen in Rumänien – das Entsorgen von Hunden als Geschäftsmodell
Bereits seit 2001 gibt es in Rumänien ein Tierschutzgesetz. Dennoch ist es bis 2007 erlaubt, Straßenhunde einzufangen und umzubringen. Erst mit dem Eintritt in die EU ändert sich das: Gesunde Tiere dürfen nun nicht einfach getötet werden und Tierquälerei wird unter Strafe gestellt. Doch 2013 geht das Land wieder einen Schritt zurück: Aufgrund eines Beißvorfalles durch Wachhunde verabschiedet die Regierung quasi über Nacht das Gesetz „Ionut 258/2013“. Die Straßen sollen komplett von freilebenden Hunden „gesäubert“ werden.
Die rumänischen Gemeinden werden beauftragt, das Straßentierproblem zu lösen – nicht durch humane Maßnahmen, sondern durch das Töten der heimatlosen Hunde. Der Staat fördert die städtischen Tierheime und Tötungsstationen oder „Kill-Shelter“ mit beträchtlichen Geldsummen pro Tier. Sowohl für die zwischenzeitliche Unterbringung und Versorgung – inklusive Kastrationen – als auch für die Tötung erhalten die Betreiberinnen und Betreiber Zuschüsse. So konnte sich ein lukratives Geschäftsmodell mit mafiösen und korrupten Strukturen entwickeln. Das Einfangen und Töten von Straßenhunden ist ab jetzt profitabel – gefördert durch den Staat. Für jeden gefangenen Hund wird eine Prämie gezahlt. Tierschützende sprechen von bis zu 400 Euro.
Mit dem Einfangen und Töten von Straßenhunden lässt sich in Rumänien gutes Geld verdienen. Es gibt viele Personen, die von dem grausamen System profitieren. Foto: VETO
Viele Kommunen lagern die Aufgabe dieses sogenannten „Stray-Dog-Management“ – Straßenhundemanagement – an private Betreiber aus. Aus diesem Grund unterscheidet man zwischen öffentlichen und privaten Tötungsstationen. Beide Einrichtungen werden jedoch finanziert mit Hilfe von öffentlichen Geldern und die Verhältnisse, unter denen die Tiere gehalten werden, sind in beiden ähnlich schlimm. Hinzu kommt, dass die Auslagerung an private Betreiber gegen das Gesetz verstößt, aber bislang geduldet wurde. Zum aktuellen Zeitpunkt existieren rund 130 private und staatliche Tötungsstationen.
Wie viele Straßenhunde in Rumänien getötet werden, belegt eine Studie, die auf Angaben der nationalen Tierschutzbehörde sowie 130 befragten öffentlichen Tötungsstationen und privaten Einrichtungen beruht: Zwischen 2001 und 2021 wurden mehr als 2 Millionen Hunde gefangen. Mehr als die Hälfte davon sind in den Tötungsstationen „verstorben“ oder wurden getötet. In nur drei Jahren – von 2019 bis 2022 – wurden laut der Studie mehr als 110.000 Hunde eingefangen und mehr als 51.000 von ihnen getötet. Das sind rund 1.500 getötete Tiere pro Monat – eine unfassbar hohe Zahl.
Wenn es Tierschutzorganisationen gelingt, Tiere aus den städtischen Tierheimen zu übernehmen, sind sie meist in einer sehr schlechten gesundheitlichen Verfassung: krank, verletzt, unterversorgt, mit fehlenden Gliedmaßen. Tierschützende berichten uns zudem von Tieren, die in den städtischen Tierheimen verhungern oder im harten Winter erfrieren. Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle.
Betrug und mutmaßliche Veruntreuung von EU-Geldern
Es ist offensichtlich, dass die staatlichen Gelder für die Versorgung der Tiere nicht bei den Hunden ankommen: Die Tiere werden in den Tötungsstationen unter widrigsten Bedingungen eingesperrt, weder ausreichend versorgt noch medizinisch behandelt. Darüber gibt es unzählige Berichte von Tierschützenden, und auch wir mussten die grausamen Bedingungen auf unseren Tierschutzreisen nach Rumänien bezeugen. Die Hunde werden an diesen Orten lediglich verwahrt, unterversorgt, oft verletzt oder krank und dürfen nach 14 Tagen offiziell per Gesetz getötet werden.
Rumänische Parlamentsabgeordnete berichten, dass die Veterinärämter die artgerechte Behandlung der Tiere nicht kontrollieren und Teil des korrupten Systems sind. Es wird vermutet – und dank der Razzien sicherlich bald bewiesen – dass die Betreiber und Betreiberinnen sich an den Pauschalbeträgen bereichern. Auf Kosten der Tiere und des Staates. Nach Berichten von Tierschützenden und rumänischen Parlamentariern sogar auf Kosten der EU.
Demnach erhält Rumänien wie jedes Mitgliedsland der Europäischen Union zweckgebundene und nicht zweckgebundene Subventionen. Ein Teil der EU-Gelder fließt somit in das Städtemanagement und in die Abfall- und Tierkörperbeseitigung der 41 Landkreise. Darunter fällt auch das sogenannte „Stray-Dog-Management“, also das Einfangen und Beseitigen der Straßentiere. Mit den öffentlichen Geldern, die für die inhumane Unterbringung und grausame Tötung der Hunde aufgebracht worden sind, hätte der Staat ab 2001 umfassende Kastrationen finanzieren und innerhalb von 25 Jahren das Problem nachhaltig und human lösen können.
Stattdessen wird bis heute weiterhin sinnlos getötet – indirekt finanziert durch die EU. Die EU-Kommission äußerte sich Anfang des Jahres zurückhaltend zu den Vorwürfen: „Die Verwaltung und die Politik zur Kontrolle der Populationen streunender Hunde und Katzen fallen weiterhin in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten.
Die Tötungsstation in Târgu Jiu. Foto: VETO
60 Tötungen innerhalb einer Stunde: Die erschreckende Situation in Târgu Jiu
Die derzeitigen Razzien und der öffentliche Aufruhr sind nicht das erste Mal, dass Rumänien mit seinem System der Tötungsstationen in die Schlagzeilen gerät. Bereits 2024 kam es zu Demonstrationen und politischen Interventionen. Am 12. August fand eine Massentötung von Hunden statt: In der Tötungsstation in der Stadt Târgu Jiu, die sich rund 230 Kilometer westlich von Bukarest befindet, wurden laut Medienberichten und Tierschützenden vor Ort innerhalb von nur einer Stunde 60 Hunde getötet.
Die Situation muss einem Massaker geglichen haben, denn eine Euthanasie im Sinne eines medizinischen Verfahrens, das zu einem schmerzlosen Tod führt, ist in so kurzer Zeit unmöglich. Laut Informationen von Tierschützenden wurde die Tötung vom Bürgermeister der Stadt angeordnet. Die Massentötung wurde sowohl national als auch international bekannt und führte zu Demonstrationen in Târgu Jiu und in Bukarest.
Leere Käfige in der Tötungsstation in Târgu Jiu: Hier müssen die Hunde verwahrt worden sein, die am 12. August getötet wurden. Foto: VETO
Auch der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Nicu Ștefănuță, hat sich laut Medienberichten sowohl an die örtlichen Behörden in Târgu Jiu als auch an die Europäische Kommission gewandt. In einem offiziellen Brief habe er um Klarstellungen zum Euthanasieverfahren einschließlich der Erwähnung des dabei verwendeten medizinischen Verfahrens gefordert. Die Gemeinde sei außerdem gebeten worden, anzugeben, welche Präventionsstrategie sie im Hinblick auf die Reduzierung der Zahl obdachloser Hunde umgesetzt hat oder umsetzen wird.
Als Reaktion auf die Tötung der 60 Hunde hatte die Polizei des Landkreises Medienberichten zufolge ein Strafverfahren eingeleitet, die Ermittlungen laufen seitdem. Bis dato gibt es jedoch keine Konsequenzen, wie uns Tierschützende aus Târgu Jiu berichten. Es war nicht das erste Mal, dass die Tötungsstation in Târgu Jiu die grausame Realität in Rumäniens Tötungsstationen in extremer Form demonstrierte. Bereits 2023 sollte die Anzahl der damals rund 600 Hunde im öffentlichen Shelter reduziert werden und der jetzige Betreiber wurde damit beauftragt.
Alle 600 Hundeleben standen von jetzt auf gleich auf dem Spiel. Die Tierschutzvereine vor Ort mussten sofort handeln und konnten bei mehreren Rettungsaktionen tatsächlich alle Hunde aus dem Shelter befreien. VETO unterstützte verschiedene Tierschutzvereine mit Futterspenden für ein Jahr, um die geretteten Hunde zu versorgen. Doch nach kurzer Zeit war die Tötungsstation wieder voll.
Die Chance, die Tiere zu retten, wurde den Tierschützenden im August verwehrt. Die 60 Hunde, deren Tod angeordnet wurde, sind die weiteren Opfer dieses grausamen Systems, das sich in Rumänien etabliert hat.
Viele der Hunde in der Tötungsstation sind in einem desolaten Zustand. Foto: VETO
VETO vor Ort in der Tötungsstation in Târgu Jiu
Als wir 2024 Ende August vor Ort in der Tötungsstation waren, um die Situation zu dokumentieren und langfristig auf die massiven Missstände aufmerksam zu machen, hingen noch immer Schilder mit Nummern an den leeren Zwingern im hinteren Bereich der langen Halle. Die wenigen Informationen zu den einstigen Insassen wurden mittlerweile weggewischt. Hinweise auf ihre Existenz wurden damit ausgelöscht.
Wir kennen diesen Ort, waren bereits 2022 im Shelter von Târgu Jiu. Damals waren in den Zwingern noch Hütten und Etagen zu finden. Selbst diese wurden den Tieren in der Zwischenzeit genommen. Die meisten Hunde liegen auf dem dreckigen Betonboden. Der Außenbereich, in dem weitere Zwinger und Hütten zur Verfügung stehen würden, wird gar nicht genutzt.
Narben, offene Wunden, verfilztes Fell: Die Hunde werden in der Tötungsstation verwahrt. Ihr Leiden interessiert den Betreiber nicht. Foto: VETO
„Das Public Shelter machte auf uns einen beklemmenden Eindruck. Bereits beim Betreten spürte man den Geruch von Tod, ähnlich wie in Schlachthäusern. Auf einer Tür stand das Wort Morgă, was übersetzt ‘Leichenschauhaus’ bedeutet. Darin lagen zwei verschlossene Müllbeutel.“
Claudia Lemke, VETO
Die Hunde, die dem Massaker am 12. August entgangen sind, vegetieren in diesem Ort des Todes vor sich hin. Viele sind verletzt und krank. Sie müssten dringend medizinisch behandelt werden, doch dies bleibt ihnen verwehrt. Wenn ein Hund bellt, wird er sofort von den Mitarbeitenden zurechtgewiesen. Dieser Ort hat die Hunde gebrochen. Sie haben aufgegeben und blicken Tag für Tag resigniert ins Leere.
Viele der Hunde in der Tötungsstation scheinen verstanden zu haben, das es für sie kein Entkommen gibt. Foto: VETO
Das sinnlose Leid beenden: Kastrieren statt Töten
Der einzige Weg, das Leid auf den rumänischen Straßen und in den Tötungsstationen wie jener in Târgu Jiu zu verhindern, ist, mit Kastrationsprogrammen die Population an Straßenhunden einzudämmen. Nur flächendeckende Kastrationen bieten eine nachhaltige Lösung, um den sinnlosen Tod der Tiere zu stoppen. Ein Kastrationsmobil konnten wir bereits 2025 durch unsere Kampagne Zum Tode Verurteilt finanzieren und damit jährlich tausende Eingriffe in den ländlichen Regionen Rumäniens ermöglichen.
Mit unserer Rettungsmission Rumänien machen wir dieses Jahr genau dort weiter. Wir unterstützen unsere Partnervereine mit Mitteln für medizinische Hilfe und Kastrationen, stellen mit Futterspenden sicher, dass kein Hund hungern muss und helfen im akuten Notfall – so wie in Onești, wo wir im Januar vor Ort waren: Die Stadt wollte die Zahl der Hunde reduzieren und die Tierheimleitung hat sich daraufhin an private Organisationen gewandt, statt die Tiere einschläfern zu lassen. Gemeinsam haben wir vierzig Hunde mitgenommen – vierzig Leben gerettet, die sonst früher oder später getötet worden wären.
Ein großer Erfolg – und gleichzeitig nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir wissen, dass Rettungen keinen nachhaltigen Effekt haben. Unser langfristiges Ziel ist Prävention: Großangelegte Kastrationsaktionen, Aufklärung und eine Veränderung des Systems. Eins ist klar: Die Verantwortung für die Tiere kann nicht ausschließlich bei privaten Organisationen wie VETO bleiben.
Rumänien muss als EU-Mitglied Verantwortung für die humane und nachhaltige Lösung der Straßentierkrise übernehmen. Um Öffentlichkeit zu schaffen und für Transparenz zu sorgen, waren wir aus diesem Grund bei der EU in Brüssel.
Aufstehen für die Straßenhunde im EU-Parlament
Ende 2025, mehr als ein Jahr nach dem Massaker in Târgu Jiu, wurde die unhaltbare Situation in Rumänien endlich im EU-Parlament thematisiert – VETO war dabei, um den rumänischen Straßenhunden mit Expertise und Lösungsvorschlägen eine Stimme zu geben.
VETO im EU-Parlament in Brüssel. In der Veranstaltung zum Schutz von Straßenhunden in Rumänien ging es um Transparenz, Verantwortung und humane Lösungen.
Gemeinsam mit internationalen Parlamentsabgeordneten, Wissenschaftlern, Tierrechtsaktivisten und -aktivistinnen und weiteren Organisationen, die in Rumäniens Tierschutz aktiv sind, saßen wir an einem Tisch, um internationale Aufmerksamkeit zu schaffen, Lösungsansätze zu diskutieren und um die rumänische Regierung und die EU zum Handeln aufzufordern. Ein offener Brief an die EU-Kommission ist der Start.
Hoffnungsschimmer dank öffentlichem Druck
Dank der Veranstaltung und der damit verbundenen Aufmerksamkeit wurden die illegalen Machenschaften im Zusammenhang mit Rumäniens Tötungsstationen heftig in der Öffentlichkeit diskutiert – mit Wirkung. Rumäniens Verträge mit privaten Unternehmen, die überall im Land Tötungsstationen betreiben und berüchtigt für die tierquälerischen Verhältnisse sind, in denen die Hunde gehalten werden, sollen endlich aufgelöst werden. Auch die Verträge mit der Firma VETMEDAN, die im Land Massen von Straßentieren getötet hat, sollen beendet werden. Die Razzien sind hoffentlich der Anfang vom Ende des korrupten Systems.
Momentan befinden sich zwei Gesetzesänderungen zur Abstimmung im rumänischen Parlament: Ein Verbot der Euthanasie – also das Ende der Tötungsstationen – mit der Möglichkeit der Wiedereinführung nicht-aggressiver Tiere und der Erlass von Maßnahmen, die die Kontroll- und Schutzaufgaben von staatlichen Institutionen erleichtern sollen, um Misshandlungen von Tieren zu verhindern und ihr Wohlergehen zu gewährleisten.
Nach Jahrzehnten der staatlich geduldeten und geförderten Tierquälerei in Rumänien sind die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen und die Ereignisse der letzten Wochen ein großer Hoffnungsschimmer für den europäischen Tierschutz. Für uns sind sie ein Beleg dafür, dass Tierschutz politischer werden muss, und dass wir mit unserer Arbeit bei VETO viel bewegen können.
Und das ist erst der Anfang. Wir machen weiter! Diesen Monat sind wir erneut in Rumänien, um die Lage vor Ort zu dokumentieren und um weitere Hunde in Sicherheit zu bringen. Bleib dran und abonniere unseren Newsletter oder folge uns auf Social Media, um nichts zu verpassen.


